Gemeinsam Perspektiven entwickeln

Die strategischen Handlungsfelder soziale Teilhabe, Wachstum und Diversifikation haben sich für die FLÜWO als zielführend und als idealer Gestaltungsrahmen erwiesen. Die Weiterentwicklung dieses strategischen Ansatzes bringt neue Herausforderungen und Chancen mit sich. Neu ist auch die Zusammensetzung im Vorstand der FLÜWO Bauen Wohnen eG. Seit 1. Januar 2019 bilden Nina Weigl und Rainer Böttcher gemeinsam das Vorstandsteam der FLÜWO.

Frau Weigl, bei der FLÜWO kannte man Sie bisher als Prokuristin und Leiterin der Bestandsbetreuung. Jetzt sind Sie seit 1. Januar 2019 Mitglied des Vorstands. Wie fühlt sich die erste Zeit im neuen Amt an?

 

Nina Weigl: Sehr gut! Die konstruktive und positive Arbeitsatmosphäre, wie ich sie aus meiner langjährigen Tätigkeit bei der FLÜWO kenne, hat mir auch beim Start in die neue Aufgabe geholfen. So war ich nach verschiedenen Positionen mehrere Jahre als Leiterin der Bestandsbetreuung und als Prokuristin tätig. Was mich immer begleitet hat, waren hilfsbereite Kolleginnen und Kollegen, die mir größtmögliche Unterstützung zukommen ließen. Mit Rainer Böttcher habe ich heute einen erfahrenen Vorstandskollegen, der mich tatkräftig unterstützt und jederzeit für einen Austausch zur Verfügung steht. Daher habe ich mich sehr gefreut, dass mich der Aufsichtsrat für die altersbedingte Nachfolge von Holger Hansen vorgesehen hat.

 

Rainer Böttcher: Vorab geht mein Dank an Holger Hansen, der mich als erfahrener Teamplayer seit dem Jahr 2015 durch seine umfangreiche Berufserfahrung kompetent unterstützt hat.

 

Mit der Berufung von Nina Weigl bin ich mir sicher, dass wir den mit Holger Hansen erfolgreich eingeschlagenen Weg der FLÜWO weiter fortsetzen werden. Nina Weigl steht sozusagen sinnbildlich für die Personalentwicklung der FLÜWO, denn neben der Einstellung neuer Fach- und Führungskräfte spielt die Förderung der eigenen Mitarbeitenden eine immer größere Rolle in unserem Unternehmen. Dies zeigt sich ganz konkret an der Vielzahl der Kolleginnen und Kollegen, die sich berufsbegleitend weiterbilden, der Besetzung von Führungspositionen mit dem eigenen Nachwuchs und nicht zuletzt an unserer hohen Ausbildungsquote, die aktuell rund zehn Prozent beträgt.

Weshalb ist das für die FLÜWO so wichtig?

 

Nina Weigl: Der Fachkräftemangel macht natürlich auch vor der Wohnungswirtschaft nicht halt. Zudem kommen in unserem Fall zwei weitere Faktoren hinzu. Wir befinden uns in einer für Arbeitnehmer hochattraktiven Region mit einer Vielzahl an Weltkonzernen und erfolgreichen Mittelständlern, mit denen wir um die Fachkräfte konkurrieren. Diese finden bei den Unternehmen in der Region eine große Auswahl an interessanten und gut bezahlten Arbeitsplätzen. Wir müssen ihnen aber zeigen, dass sie auch bei uns ihren Weg gehen können. Zudem befindet sich die FLÜWO in einer Phase des Umbruchs und wächst stetig, sodass wir im Vergleich zu anderen Wohnungsunternehmen einen erhöhten Personalbedarf haben. Dies auch in Bereichen, die nicht auf den ersten Blick mit Baugenossenschaften in Verbindung gebracht werden, wie beispielsweise im Bereich der Unternehmensentwicklung oder der Digitalisierung.

 

Sie sprechen von Umbruch? Was verstehen Sie darunter?

 

Rainer Böttcher: Wir verstehen darunter keine kurzfristig abgeschlossene Handlung, sondern einen über viele Jahre angelegten Prozess. Aus den zukünftigen Herausforderungen der Wohnungswirtschaft wie dem demografischen Wandel sowie der Entwicklung der Einkommen, dem Bedarf an neuen Wohnformen und der Digitalisierung haben wir schon 2014 die strategischen Handlungsfelder soziale Teilhabe, Wachstum und Diversifikation abgeleitet. Dieser Ansatz hat sich für uns als zielführend und als idealer Gestaltungsrahmen erwiesen. Die in den letzten Jahren daraus abgeleiteten Projekte sind inzwischen entweder abgeschlossen, zurückgestellt oder in die Operative übernommen worden.

Neubau Stuttgart-Giebel.

Können Sie das genauer ausführen?

 

Rainer Böttcher: Die Kriterien der verschiedenen Wohnformen, die wir in dem Projekt „FLÜWO-Produkte“ entwickelt haben, fließen jetzt in unsere Investitionsentscheidungen ein, sowohl im Neubau und beim Kauf von Bestandsgebäuden als auch bei der Modernisierung. Im Rahmen von „FLÜWO-Telemetrie“ hat unsere Tochter, die FLÜWO Bau + Service GmbH, in den letzten Jahren rund 8.400 Wohnungen in den eigenen Abrechnungsdienst überführt. Dafür wurden etwa 60.000 Messgeräte eingebaut und in ein Funknetz eingebunden. Das Kernthema des Projekts „FLÜWO-Cloud“ ist in diesem Jahr die Einführung unseres neuen ERP-Systems. Zudem sind in diesem Bereich eine Vielzahl von Teilprojekten in unseren Arbeitsabläufen, unserer Kommunikation und bei der Ausstattung unserer Wohnungen in Vorbereitung, die in Abhängigkeit zu unserem neuen ERP-System stehen. Im Bereich „Soziales“ führen unser Sozialmanagement und unser rollender Nachbarschaftstreff, das FLÜWO-MOBIL, ihre erfolgreiche Arbeit weiter. Dabei sorgen sie einerseits für eine angemessene Fürsorge und ermitteln darüber hinaus die verschiedensten Bedarfe unserer Mieter in ihren Wohnungen und Quartieren. Die Gründung der FLÜWO Stiftung im Februar 2018 war ein weiterer Baustein zur Stärkung der Quartiere und der individuellen Hilfe für unsere Mieter. Die Umsetzung der Pläne zur FLÜWO Energiegesellschaft für die kostengünstige Beschaffung von Strom und Wärme haben wir vorerst zurückgestellt. Unsere Untersuchungen haben ergeben, dass wir damit unter den derzeitigen Rahmenbedingungen keinen Kostenvorteil für unsere Mieter generieren können.

 

Was ist für die kommenden Jahre geplant?


Rainer Böttcher: Durch die Vereinigung von wirtschaftlichen Zielsetzungen, die sich vor allem im Handlungsfeld Wachstum und Diversifikation wiederfinden, bildet die soziale Teilhabe, aber auch die Diversifikation den Handlungsrahmen für Ziele, die sich sehr stark am satzungsgemäßen Förderauftrag der FLÜWO orientieren. Es stellt sich für uns die Frage, wie wir in diesem Rahmen unseren bisherigen strategischen Ansatz weiterentwickeln können. Dabei sehen wir es als primäre Zielstellung, wie die hohe Identifikation der Mieter der ersten Generation der FLÜWO erhalten und durch zeitgemäße Inhalte transformiert werden kann. Der daraus entwickelte Leitgedanke sieht vor, dass wir unsere Mieter zukünftig mit unserem Wohnungs- und Dienstleistungsangebot entlang ihrer gesamten Lebensbiografie begleiten werden.

Studentisches Wohnen in Dossenheim.

Was bedeutet das konkret?

 

Nina Weigl: Die bisherige Definition unserer Wohnformen beinhalt vor allem bauliche Standards und Ausstattungsmerkmale in der Wohnung und im Gebäude selbst. Auf lange Sicht müssen wir diesen Ansatz jedoch mindestens auf Quartiersebene erweitern. Deshalb ist es notwendig, das bisherige zentrale Betrachtungselement Wohnung um die Bedarfe der jeweiligen Zielgruppe zu erweitern, die nicht primär mit der Wohnung verbunden sind. Konkret bedeutet dies, dass wir uns aktuell intensiv mit den Bedürfnissen unserer Mieter in allen Lebensphasen auseinandersetzen, um so die Dienstleistungen zu identifizieren, die zukünftig von der FLÜWO angeboten werden können.

 

Rainer Böttcher: Dabei erschwert der Streubesitz der FLÜWO die Einführung eines erweiterten Dienstleistungsangebots erheblich. Auch unser satzungsgemäß verankerter Gleichbehandlungsgrundsatz sieht vor, unseren Mietern ein weitgehend vergleichbares Angebot zu bieten. In diesem Zusammenhang gewinnt das quantitative Wachstum der FLÜWO noch stärker an Bedeutung. Daher werden wir die Anzahl unserer Wohnungen an den jeweiligen Standorten deutlich ausbauen, damit alle geplanten Dienstleistungsangebote vor Ort wirtschaftlich sinnvoll abgebildet werden können. Eine besondere Rolle kommt dabei unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu, welche die Veränderungen nicht nur mittragen, sondern sich aktiv in den Prozess einbringen und damit die Zukunft der FLÜWO mitgestalten.

Artikelbild: Das neue Vorstandsteam der FLÜWO. Nina Weigl und Rainer Böttcher.